Bericht aus Echo Online – zum Originalbericht

Von Roland Bode

BÄRBEL ALLENDORF Die erfolgreichste Spielerin seit Bestehen des Kreises Bergstraße feiert am Samstag ihren 80. Geburtstag

EINHAUSEN – Wenn Bärbel Allendorf über das von ihr so geliebte und sehr gut beherrschte Tennisspiel erzählt, könnte man ihr stundenlang zuhören. Denn nicht nur die Liste ihrer sportlichen Meriten ist bei der erfolgreichsten Spielerin seit Bestehen des Kreises Bergstraße lang. Groß ist auch ihr Erfahrungsschatz, den sie gerne an jüngere Generationen weitergibt. An diesem Samstag feiert die immer noch für ihren Heimatverein TC BW Heppenheim spielende Seniorin, die in Einhausen lebt, ihren 80. Geburtstag.

In der Gegenwart ließe sich die Geschichte der zu den erfolgreichsten Sportlern im Hessischen Tennis-Verband und weit über die Landesgrenzen hinaus geschätzten Jubilarin wohl kaum wiederholen. „Ich habe in der Jugend mit Basketball und Leichtathletik begonnen und kam erst mit 18 Jahren zum Tennis. Als ich 40 Jahre alt war, habe ich mein erstes Turnier gespielt – vorher immer nur in der Mannschaft mit Heppenheim“, berichtet sie.

Besagtes erstes Turnier war freilich nichts Geringeres als die Senioren-Europameisterschaft im österreichischen Seefeld. „Es war eben eine ganz andere Zeit. Jeder konnte sich praktisch frei anmelden. Das habe ich getan, und ich hatte Glück, dass ich auf Anhieb bis ins Halbfinale gekommen bin.“ In der heutigen Zeit von Ranglisten und Qualifikationen wäre das undenkbar.

Im ersten Turnier gleich das Halbfinale erreicht

„Durch das gute Abschneiden habe ich wohl etwas auf mich aufmerksam gemacht. Mit Werner Mertens vom Deutschen Tennis-Bund hatte ich fortan jemanden an der Seite, der mich gut beraten und in die Turnierszene eingebracht hat. Genau genommen habe ich ab da erst richtig angefangen zu trainieren: Tennis bewusster spielen, Technik, Spieltaktik und die ganzen anderen Dinge.“

Ihr Ehemann Georg war zugleich ihr Trainer: „Von ihm habe ich solche Sachen wesentlich gelernt.“ Die Liste der Erfolge ist lang: Welt- und Vize-Weltmeisterin bei den Damen 50, mehrfache Europameisterin, Deutsche und hessische Meisterin in Einzel, Doppel und Mixed und in unterschiedlichen Altersklassen war sie. Dazu kamen acht Berufungen in die DTB-Seniorinnen-Nationalmannschaft, Erfolge bei internationalen Turnieren sowie die dreimalige Teilnahme mit den Damen des TC Blau-Weiß Heppenheim an der Endrunde um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft.

Hinzu kommen zahlreiche Finalteilnahmen und dritte Plätze bei ebensolchen Konkurrenzen. Der Höhpunkt war für sie der Gewinn des Damen-Doppels (AK 50) im Jahr 1989 im chilenischen Vina del Mar an der Seite der US-Amerikanerin Nancy Read.

Mit Blick zurück muss Allendorf, die beim gleichen Turnier das Einzel-Endspiel erreichte, dort mit 4:1 im dritten Satz führte, dann aber doch noch verlor, schmunzeln: „Nancy und ich kannten uns vorher gar nicht. Weil eine andere Spielerin ausfiel, kamen wir zusammen. Und aus dieser Verlegenheit sind wir dann Weltmeisterinnen geworden. Das ist schon etwas kurios.“

Einen großen Vitrinenschrank im Wohnzimmer besitzt sie übrigens nicht: „Alle Pokale stehen ordentlich im Keller“, sagt sie erneut lachend. Und sie kommt sofort auf ein ihr viel wichtigeres Thema zu sprechen: „Ich habe über das Tennis bis heute sehr gute und immer noch gepflegte Freundschaften auf der ganzen Welt. Besonders in Südamerika“, ist Allendorf stolz.

Der Gedanke, dass man vielleicht zu früh geboren ist

Mit Blick auf die Tennis-Gegenwart – hoch dotierte Preisgelder, moderne Trainingsmöglichkeiten und vieles mehr – räumt sie offen ein, „ab und zu“ daran gedacht zu haben: „Warum habe ich nicht früher angefangen? Bin ich etwas zu früh zur Welt gekommen?“ Bis sie dann aber doch wieder zu dem Schluss kommt: „Diese ganze Zeit war und ist immer noch sehr wertvoll für mich. Ich bin zufrieden mit meinem Leben, auch wenn es mit zunehmenden Alter hier und da einmal etwas zwickt.“

Übrigens: Der runde Geburtstag passt ihr eigentlich gar nicht in die interne Planung. Ein großes internationales Turnier in Essen sowie die deutschen Meisterschaften in Bad Neuenahr stehen schließlich an. Allendorf sieht aber auch dies mit Humor: „Ich kann dann Altersklasse 80 spielen und zähle hier wieder zu den Jüngsten. Das ist doch auch ganz nett.“